"Da sieht man, dass Triathlon Lebensfreude pur sein kann"

Lotta und Schorsch sind unsere Triathlon-Helden im Juli powered by Zurich. Wir haben mit den beiden und über Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben, fehlende Zeit zum Chillen und bewegende Momente gesprochen.

Lotte und Schorch

Warum unterstützt ihr andere Menschen auf dem Weg in den Triathlon?

Lotta: Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man unzufrieden mit dem eigenen Leben ist und denkt, dass man etwas ändern sollte. Und ich weiß, wie es ist, seine eigenen Ziele zu erreichen und stolz zu sein auf das, was man geschafft hat. Das ist einfach so ein unbeschreiblich schönes Gefühl, von dem man sich wünscht, dass es andere auch erleben.

Schorsch: Ganz einfach, weil ich Triathlon für den besten Sport der Welt halten. Zum einen, weil man an seine Grenzen gehen kann. Zum anderen, weil durch die drei Sportarten der Körper nicht einseitig belastet wird. Wenn man dann noch ein wenig auf die Ernährung und Regeneration achtet, lebt man aus unserer Sicht relativ gesund.

 

Was treibt euch an?

Lotta: Das Wissen, was solch eine Änderung des Lebensstils bewirken kann. Und der Wunsch, die Welt ein bisschen zu verbessern, dadurch, dass man andere daran teilhaben lässt beziehungsweise ihnen zu einem glücklicheren Leben verhilft.

Schorsch: Mich treibt meine eigene Unsportlichkeit aus der Vergangenheit an. Ich war faul, dick und völlig unsportlich. Dazu kamen noch Alkohol, Partys und Zigaretten. Mit dem Triathlon hat sich meine Lebensqualität absolut verbessert. Diese Möglichkeiten auch anderen zu zeigen, ist für mich eine große Motivation.

 

Bleiben durch dieses Engagement eure eigenen Ambitionen im Triathlon auf der Strecke?

Lotta: Puh, manchmal schon. Wenn ich sehe, dass andere Leute am Wochenende nur Sport machen und chillen und ich nach meinen Einheiten noch einen Podcast recherchieren und aufnehmen muss, frag ich mich schon manchmal, warum ich mir das antue (schmunzelt)
Ich sehe aber auch, was unser Engagement ausmacht. Daher ist es mir das persönlich auch wert.

Schorsch: Eigentlich nicht. Es motiviert mich eher mehr, damit ich zeigen kann, was alles möglich ist. Denn, wenn ich es schaffe, können das alle anderen auch (schmunzelt)

 

Ihr wart selbst nicht immer die Sportlichsten. Was hat euch zum Sport und vor allem zum Triathlon geführt?

Lotta: Bei mir war es so eine Mischung aus der Erkenntnis „ich muss jetzt langsam mal den Arsch hochbekommen“ und „günstigen Umständen“. Eigentlich hab ich in dem Moment, in dem ich freiwillig anfing, YouTube-Workouts nachzuturnen, um nicht aufzugehen wie ein Hefekloß, Schorsch kennengelernt. Und dann kam eins zum anderen. Er hat mich einfach mal auf eine Rennradtour mitgenommen und wir waren zusammen laufen… Danach war ich relativ schnell „angefixt“. Also, Kraulen musste ich dann zwar noch lernen, aber das ist ja theoretisch auch nicht unbedingt nötig für den ersten Triathlon.

Schorsch: Um ganz ehrlich zu sein, wollte ich einfach nur besser aussehen. Mit ca. 20 kg Übergewicht fühlt man sich nicht wirklich attraktiv, weshalb ich mich irgendwann dazu entschieden habe, etwas dagegen zu unternehmen. Aber mit Krafttraining allein war da nicht so viel zu machen. Ich kam dann übers Laufen und Radfahren zum Triathlon. Ich habe damals ein Video von der Ironman-WM 2008 im Internet entdeckt, bei dem Chrissie Wellington einen Platten hatte und von einer anderen Athletin eine Co2-Kartusche bekam. Ohne diese Hilfe, hätte sie das Rennen aufgeben müssen und hätte nicht gewonnen. Das fand ich so groß und so beeindruckend, dass mich der Triathlon bis heute nicht losgelassen hat. Und meiner Meinung nach ist das auch das Besondere an unserem Sport. Die Community und die gegenseitige Anerkennung. In welcher Sportart sonst feiern sich Profis im Ziel so gegenseitig, wie im Triathlon?

 

Welche sportlichen Ziele habt ihr selbst noch?

Lotta: Puh, gute Frage! Es ist immer so einfach zu sagen: Ich will mal einen Ironman machen. Und für viele ist es auch total selbstverständlich, dass der Weg von der Sprint- über die Olympische und Mittel- zur Langdistanz führt. Rein Motivationstechnisch fände ich es natürlich schon mega, wenn ich das einmal schaffe. Vor allem auch, um die Frauenquote bei solchen Veranstaltungen zu heben und anderen Frauen zu zeigen, dass es möglich ist. Ich weiß aber auch, dass da sehr viel dazugehört und der Körper, die Gesundheit, das alles mitspielen muss. Momentan komme ich an gewisse Grenzen, an denen mir mein Körper zeigt, dass er mehr Zeit braucht.

Schorsch: Für 2023 steht der erste Start bei der Challenge Roth an. Das ist aktuell das größte Ziel. Ansonsten möchte ich vielleicht noch etwas schneller werden. Oder aber den Norseman absolvieren. Dafür müsste ich allerdings erst meine Abneigung gegen Kälte überwinden (lacht).

 

Was ist schöner: eigene Erfolge? Oder wenn ihr von Leuten gesagt bekommt, was sie durch euren Antrieb erreicht haben?

Lotta: Es ist beides genial. Und es gibt einem beides ein erhebendes Gefühl. Da wird ja im Prinzip jedes Mal das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert. Aber klar wirkt so ein Finish im Wettkampf vielleicht unmittelbarer, weil man es ja auch körperlich spürt.

Schorsch: Hm ... Ich weiß nicht, ob ich beides vergleichen kann. Ich freu mich über beides, aber natürlich ist mein Einsatz ganz unterschiedlich. Und nach einer Mittel- oder Langdistanz ist auch nicht mehr so viel Energie für das Freuen da. Vielleicht bedeutet es mir doch mehr, wenn wir positives Feedback bekommen.

 

Was war die Geschichte von jemanden, der durch euch zum Triathlon kam, die euch am meisten bewegt hat?

Lotta: Es gibt immer wieder Geschichten von Menschen mit körperlichen Handicaps, die zum Beispiel in unserem Coaching mitmachen und dann merken, dass doch so viel mehr geht als sie denken. Oder die trotz großer Einschränkungen erleben, wie gut ihnen der Triathlon tut. Aber im Prinzip berührt mich jede Nachricht, wenn mir jemand schreibt, dass er wegen mir kraulen lernt oder durch unser Buch seinen ersten Wettkampf absolvieren konnte.

Schorsch: Wir hatten vor Kurzem eine Athletin im Rookie Coaching, die wegen einer chronischen Krankheit ihren schon geplanten ersten Triathlon über Jahre verschieben musste. Sie dann in der Vorbereitung begleiten zu dürfen und zu sehen, was Ihr das Finish dann bedeutet hat, war für mich sehr bewegend. Die Freude, die sie damit hat, ist einfach so beeindruckend und bewegend. Da sieht man, dass Triathlon Lebensfreude pur sein kann.