Nachhaltigkeit

An morgen denken! Nachhaltig handeln! 
 

Der DTU-Webcast "Nachhaltigkeit bei Triathlon-Veranstaltungen: Status Quo, Notwendindigkeit und Ansätze"  ist ab sofort einsehbar. Hierzu bitte eine Mail an merget@triathlondeutschland.de oder berger@triathlondeutschland.de senden. 

Nachhaltigkeit Seite

Die Deutsche Triathlon Union fokussiert sich bei ihrer Arbeit im Bereich Nachhaltigkeit auf die ökologische Dimension, also auf den Umweltschutz und die Umwelt mit ihren begrenzten Ressourcen. 

Sei es in der alltäglichen Ausübung des Triathlons im Profi- oder Altersklassenbereich oder bei Triathlon-Veranstaltungen - wir hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck. 

Triathlon als naturnahe Sportart fordert daher eine Verantwortung für die Bewahrung von Sport- und Lebensräumen. Der (Triathlon-)Sport soll zudem als Impulsgeber für nachhaltige Entwicklungen fungieren.

Daher beschäftigt sich die DTU mit vielfältigen Aufgabenbereichen zum Thema Nachhaltigkeit: 

Evaluierungsmaßnahmen zur Nachhaltigkeit im Triathlon, Erstellung von Handreichungen für Veranstaltungen, Schaffung einer Plattform für Wissenstransfer und Austausch sowie Kommunikationsmaßnahmen zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung.

Als gemeinnützige Körperschaft bedient die DTU die sozialen und ökonomischen Bereiche der Nachhaltigkeit bereits authentisch und initiiert fortlaufend verschiedene Projekte in diesen Themenfeldern.  

Nachhaltiger Triathlon

Kaderathleten_Fuerteventura_Nachhaltigkeit

Jede Triathlon (oder Multisport-) Veranstaltung hat Auswirkungen auf die Umwelt und hinterlässt einen CO₂-Fußabdruck.

Mit verschiedenen Stellschrauben kann dieser Fußabdruck aber reduziert bzw. minimiert werden. Der Leitfaden für den nachhaltigen Triathlon in Deutschland soll Beispiele und Ideen zur Verfügung stellen, um Veranstaltungen unter dem Dach der Deutschen Triathlon Union (DTU) insgesamt nachhaltiger zu gestalten.
Am meisten Potenzial erreichen Maßnahmen, wenn sie frühzeitig in den Vorbereitungen der Veranstaltung mit bedacht werden. Dabei gilt es aber zu beachten, dass nicht jede Maßnahme immer umzusetzen ist. Insbesondere die Art und Größe sowie die vorgegebenen Randbedingungen der jeweiligen Veranstaltung hängen damit eng zusammen. Die aufgeführten Punkte sollen vielmehr sensibilisieren und Ideenanstöße geben.
Eine Veranstaltung hat viele Facetten in der Organisation. In Bezug auf eine nachhaltigere Durchführung lassen sich Handlungsfelder definieren, denen die einzelnen Maßnahmen zugeordnet werden können. 

Der Leitfaden für nationale Veranstaltungen steht im Folgenden als Download zur Verfügung. Für internationale Wettkämpfe hat World Triathlon die sogenannten Sustainability Guidelines erstellt. 

Schaut euch das mal an! Angebote, Aktionen und Wissenswertes

Das DTU-Sportentwicklungsteam im Interview

Nachhaltigkeit Lisa Merget und Heiko Berger

Müssen es vier Fahrräder und mehrere Trainingslager pro Jahr sein? Was können Veranstalter tun, um nachhaltiger zu agieren? Welche Potentiale hat die Sportart Triathlon in Bezug auf Umweltschutz? Ein Gespräch mit Lisa Merget, Referentin für Marketing, und Heiko Berger, Mitarbeiter Sportentwicklung, über die Gründe, warum die Deutsche Triathlon Union (DTU) das Thema Nachhaltigkeit* aktiv angeht und was getan werden sollte.

 

Warum sollte im Triathlon nachhaltiger agiert werden?

Heiko: Triathlon ist ein Natur-Sport, wir bewegen uns und nutzen die Natur. Es gibt meines Erachtens keinen besseren Grund, pflegsam mit der Natur umzugehen und diese zu schützen. Nur so wird es auch in Zukunft möglich sein, unsere Umwelt für unseren Sport zu nutzen. Deshalb macht es Sinn, auf das Thema Nachhaltigkeit zu achten.

Lisa: Das kann man noch weiter spinnen. Triathlon ist ein konsumlastiger Sport, was beispielsweise auch Themen wie Material und Reisen angeht. Auch hier gibt es Ansatzpunkte für nachhaltigeres Handeln.

 

Also sollte jede Athletin und jeder Athlet darüber nachdenken, ob drei Trainingslager pro Jahr und vier Fahrräder sein müssen?

Lisa: Das ist sicherlich ein Ansatzpunkt, neben vielen weiteren. Es fängt im Kleinen und Alltäglichen an: Muss ich zum Schwimmtraining mit dem Auto fahren? Wie kann ich mich nachhaltig ernähren?

 

Das Thema Nachhaltigkeit wird allgemein immer wichtiger und präsenter.

Heiko: Daher war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns dem Thema mit einem größeren Schwerpunkt annehmen.

Lisa: Es ist wichtig, dass das Thema in die Köpfe kommt. Wir machen uns schon länger Gedanken, wie wir uns als Deutsche Triathlon Union dem gesellschaftlich wichtigen Thema Nachhaltigkeit annehmen können. Da geht es sicherlich um eine Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung. Es geht aber auch darum, dass wir als Verband eine Plattform für den Austausch und die Weitergabe von Wissen schaffen und Handlungsempfehlung mitgeben, wie verschiedenste Bereiche nachhaltiger arbeiten können – sei es die Athlet/-in, die Veranstalter/-in, der Verein und weitere.

 

Wie groß ist das Potential?

Heiko: Es gibt noch sehr großes Potential. Es werden schon viele kleine Dinge angestoßen, aber es gibt viele Möglichkeiten, noch nachhaltiger zu agieren. Sowohl was Veranstaltungen, als auch was die Lebensweise von Athlet/-innen betrifft.

 

Was können Veranstalter konkret tun?

Lisa: Es gibt verschiedenste Bereiche, in denen Veranstalter etwas für die Nachhaltigkeit tun können. Beispielsweise in den Bereichen Mobilität, Beschaffung, Ressourcenverbrauch, Catering und Abfallmanagement sowie Auswahl von lokalen Dienstleister/-innen und Lieferant/-innen– um ein paar Bereiche zu nennen. Wir müssen das Thema Nachhaltigkeit für den Triathlonsport nicht neu erfinden. Die Herausforderung ist, diese Punkte für Veranstalter/-innen auch darstellbar zu machen.

Heiko: Es gibt natürlich Beispiele wie das Nutzen von Holzmedaillen. Gerade bei größeren Veranstaltungen sollten die Maßnahmen, die getroffen werden, jedoch immer in ein Gesamtkonzept passen. Man sollte im Nachhinein kontrollieren können, was eine Holzmedaille im Vergleich zu einer Metallmedaille gebracht hat, ob man den CO2-Fußabdruck verringert hat – oder nicht.

 

Wie wird der Austausch zwischen DTU und Veranstaltern aussehen?

Heiko: Etwas vorgeben, ist immer schwierig. Wir wollen das Wissen, was wir erarbeiten, zur Verfügung stellen und durch verschiedene Formate einen Transfer generieren. Die DTU sieht sich als Plattform, bei der sich das Wissen aus vielen Bereichen und von vielen Seiten zusammentragen und bündeln lässt.

Lisa: Wir denken für 2022 beispielsweise an eine Reihe mit verschiedenen Aktionen wie Webcasts oder Liveveranstaltungen, die sich an Vereine, Verbände und Veranstalter/-innen sowie Athlet/-innen richtet. Es wird auch eine große Umfrage geben, damit wir sehen, wo in Triathlondeutschland die Herausforderungen und Wünsche der Veranstalter liegen.

Heiko: Wenn Veranstalter/-innen dieses Angebot nutzen und Dinge umsetzen, wird dies früher oder später automatisch bei den Teilnehmenden landen. Indirekt sprechen wir, wenn wir Veranstalter ansprechen, also auch Athlet/-innen an.

 

Welche Tipps kann ich als Veranstalter erwarten?

Lisa: Wir werden zusammen mit Expert/-innen ein Veranstalterhandbuch erarbeiten. Wir verstehen uns nicht als Kontrollinstanz. Es geht uns darum, einen Katalog zur Verfügung zu stellen, mit Hilfe dessen sich jeder Veranstalter reflektieren und gegebenenfalls Anreize rausziehen kann. Im besten Fall fängt er dann in kleinen Schritten an, nachhaltiger zu agieren.

Wir haben durch die Nähe zur Deutschen Triathlon gGmbH (eine Tochtergesellschaft der DTU, Anm. d. Red.) die Möglichkeit, solche Dinge bei den Veranstaltungen der Deutschen Triathlon gGmbH selbst zu erproben. Wir wissen: Vieles ist auch einfach gesagt, aber nicht so einfach getan. Wir versuchen, von verschiedensten Seiten Erfahrungen einzubringen. Dann wird am Ende jede und jeder einen großen Nutzen haben.

 

Wie weit sollte das Thema Nachhaltigkeit im Triathlon in zehn Jahren sein?

Lisa: In zehn Jahren sollten die Potentiale, die der Triathlonsport in Sachen Nachhaltigkeit mit sich bringt, bzw. die Kraft des Sports allgemein, und die Rahmenbedingungen, unter denen Triathlon stattfindet, möglichst ausgeschöpft und weiterentwickelt sein.

Heiko: Klimaneutralität bei Triathlonveranstaltungen zu erreichen, ist sicher ein großes, ambitioniertes Vorhaben. Das Ziel im Sinne eines deutlich niedrigeren CO2-Fußabdrucks sollten wir in den nächsten zehn Jahren aber verfolgen. 

 

Dein CO2-Fußbabdruck

Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes - Ermittle deinen persönlichen Fußabdruck

Braun & Henseleit: Das nachhaltige Triathlonpärchen

Simon Henseleit

Michelle Braun ist in der Fränkischen Schweiz aufgewachsen, also auf dem Land, im Mittelgebirge. Früher, so erzählt die mittlerweile 23-Jährige, hat dort im Winter regelmäßig Schnee gelegen. Skifahren und Rodeln war in den kalten Monaten des Jahres also fast durchgängig möglich.

„Jetzt“, sagt Michelle, „ist es schon viel, wenn dort eine Woche lang im Winter Schnee liegt.“ Das habe sicherlich auch mit dem Zufall zu tun, auch früher habe nicht jeden Winter gleich viel Schnee gelegen: „Der Klimawandel hat aber definitiv seinen Anteil daran.“

Michelle, 2017 Teilnehmerin der Junioren-WM, lebt nicht nur wegen dieser Erfahrung besonders nachhaltig - auch die Erziehung und das Landleben spielen eine Rolle -, aber auch deshalb.

Auch für Michelles Freund Simon Henseleit, 2019 Junioren-Europameister im Mixed Relay und Zehnter der Junioren-WM, ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Der 21-Jährige geht, wenn mal so will, nicht einmal, sondern dreimal am Tag arbeiten. So oft hat er in der Regel täglich Training. Trotzdem versucht er alle Wege ins Training und vom Training zurück nach Hause mit dem Rad zurückzulegen. „So lassen sich im Kleinen schon große Dinge für die Nachhaltigkeit tun“, sagt Simon.

In der Beziehung von Michelle und Simon, beide leben zusammen in Nürnberg, ist Michelle die Antreiberin – zumindest was das Thema Nachhaltigkeit betrifft. „Sie setzt sich sehr intensiv mit dem Thema auseinander und hat viele gute Ideen und Ansätze“, sagt Simon und fügt an: „Ohne sie wäre ich noch nicht so weit.“

Die beiden beschäftigen sich also viel mit dem Thema. Michelle sogar sehr viel. Sie schaut abends auch schon mal eine Dokumentation zu Nachhaltigkeit und Klimawandel, anstatt eine Netflix-Serie. „Es ist, was den Klimawandel angeht, nicht fünf vor zwölf. Es ist fünf nach zwölf“, sagt Michelle.

Michelle und Simon behaupten von sich nicht, dass sie alles perfekt machen. Im Gegenteil, sie sehen bei sich noch Optimierungsmöglichkeiten. Sie sehen sich auch nicht als Vorbilder für andere. Oder Vorreiter im Kampf für den Klimaschutz. Sie tun im Rahmen ihrer Möglichkeiten einfach nur so viel wie möglich für den Klimaschutz. Ohne sich zu sehr einzuschränken und soweit es der Triathlon (Simon: „Triathlon ist eben nicht der grünste Sport“) zulässt.

Sie versuchen, sich so regional und biolastig wie möglich zu ernähren, kaufen lieber die nicht-gespritzten Dosentomaten für 99 Cent als die gespritzten Dosentomaten für 29 Cent und schaffen es mit einem jeweils auf eine Woche angelegten Essensplan, nichts wegwerfen zu müssen. Sie versuchen, dem menschlichen Drang nach (noch mehr) Konsum so selten wie möglich nachzugeben. Und sie versuchen, sich bei der Mobilität einzuschränken, was Autofahrten und vor allem Flugreisen angeht - auch wenn die Einschränkung der Mobilität und das Ausüben von Triathlon eher sich abstoßende Pole sind. „Nachhaltigkeit ist, was Reisen betrifft, als Triathletin natürlich blöd“, sagt Michelle. „Flüge lassen sich nicht vermeiden, das gehört zu meinem Job“, sagt Simon. Man müsse im Kleinen anfangen. Zum Beispiel, indem man Kompensationen für Reisen mit dem Flugzeug bezahlt.

Die beiden sind glücklich mit ihrer Lebensweise, haben nicht das Gefühl, sich mit ihrem Einsatz für die Nachhaltigkeit einzuschränken. „Es gibt mir ein gutes Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun“, sagt Simon.

Michelle und Simon sind gute Beispiele dafür, dass sich mit kleinen Schritte etwas erreichen lässt. Und das Verzicht nicht gleich Verzicht heißen muss. Michelles Laster etwa war das Shoppen, das „exzessive Shoppen“, wie Simon sagt - und sie selbst auch zugibt. Mittlerweile kauft sie sich nur noch ein neues Kleidungsstück pro Monat, es gilt die „Ein-Teil-Regelung“. „Natürlich ist es manchmal hart, in der Stadt an den Kleidungsgeschäften vorbeizugehen und nichts kaufen zu dürfen“, sagt Michelle: „Aber die Teile, die ich dann kaufe, wertschätze ich umso mehr.“

Natürlich stoßen auch die beiden immer mal wieder an die Grenzen ihres Tuns. Im Kleinen, wenn es doch mal mit dem Auto zum Schwimmtraining geht, weil das Wetter schlecht ist, wie im Großen, wenn ein Flug zu einem Wettkampf mal nicht kompensiert wird. „Ich kann nicht jeden Flug kompensieren, das ist auch eine Geldsache“, sagt Simon: „Aber ich kompensiere eher einen Flug, als mit dem Geld zweimal feiern zu gehen.“

Nachhaltiges Handeln ist eben auch eine Einstellungssache – am Ende muss jede beziehungsweise jeder mit sich selbst im Reinen sein. Strengen sich alle ein bisschen an, leben wir alle ein bisschen grüner. „Jeder Einzelne sollte sich nicht zu sehr geißeln und 100 Prozent einsparen wollen“, sagt Michelle: „Wenn jeder 30 Prozent einspart, wäre das schon sehr viel wert.“ Für den Schnee in der Fränkischen Schweiz, die große Welt und den Triathlon.

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