Steffen Griese – Es ist nie zu spät für seine Träume
Es ist nie zu spät, mit etwas zu beginnen oder sich einen Lebenstraum zu erfüllen.
Vom Leistungssport geprägt
Aufgewachsen in Leipzig trainierte Steffen Griese als Jugendlicher an der DHfK, der renommierten Sportschule für Leistungssportler der DDR. Zunächst im Fußball, doch schnell zog es ihn zur Leichtathletik. „Laufen hat mir als Kind schon immer gefallen“, erinnert er sich. „In der Leichtathletik musste man anfangs alles machen. Besonders stark war ich auf der Mittelstrecke und im Zehnkampf.“
Anfang der 1970er-Jahre bekam Steffen Griese dann ein Fahrrad – ein Geschenk, das rückblickend fast symbolisch für seinen späteren Weg steht. Die Kombination aus Laufen und Radfahren faszinierte ihn lange, bevor es Triathlon überhaupt gab. Dennoch blieb die Leichtathletik seine Hauptsportart.
Der Antrieb war klar: sportlicher Erfolg als Chance, die Welt zu sehen. „Uns wurde gesagt, dass wir bei guten Leistungen zu internationalen Wettkämpfen reisen könnten, zu Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen. Das war für viele von uns Motivation genug, die Härte des Leistungssports auszuhalten.“
Einen seiner größten Erfolge feierte Steffen Griese 1972 in Ost-Berlin, als er im Zehnkampf die schnellste Zeit über 400 und 800 Meter lief. „Ich hatte zwar keine Medaille, aber ich habe diese Disziplinen gewonnen. Mein Trainer klopfte mir danach auf die Schulter, das war für mich Anerkennung dieser Leistung. Und das hat mir sehr viel bedeutet.“
Druck, Verletzungen und ein bewusster Abschied
Doch die intensive Leistungssportzeit hatte auch ihre Schattenseiten. Der Druck war hoch, die Konkurrenz groß. Außerdem warfen ihn Verletzungen immer wieder zurück. Während andere weitertrainierten, kämpfte Griese darum, den Anschluss nicht zu verpassen. Mit Kritik und der ständigen Bewertung konnte er nur schwer umgehen. „Es war eine extrem mentale Belastung für mich, der ich nicht gewachsen war.“
Als im Trainingsalltag schließlich sogenannte „Vitaminpräparate“ ausgegeben wurden, zog er für sich eine klare Grenze. „Ich habe die Tabletten in die Toilette geworfen. Ich wollte dieses System nicht unterstützen.“ Nach der 10. Klasse verließ er die Sportschule. Damit endete seine Leistungssportkarriere – zumindest auf diesem Weg.
Zurück zur Freude an Bewegung
Der Sport blieb dennoch Teil seines Lebens. Bei Volksläufen und während des Wehrdienstes hielt sich Steffen Griese fit. „Ohne Druck hat das Laufen wieder Spaß gemacht.“ Im Fokus standen nicht Zeiten und Normen, es war die alltägliche Bewegung, die ihn anspornte. Anfang der 1980er-Jahre hörte er erstmals vom Ironman auf Hawaii. Damals galt das Rennen noch als verrücktes Extremprojekt. Für ihn war es vor allem faszinierend. Und ein Stück weit herausfordernd. 1987 wanderte er schließlich mit seiner Familie in den Westen aus und ließ sich in Schorndorf nieder.
Der Einstieg in den Triathlonsport, 1996, kam dann eher zufällig. „Ich hatte von einem Volkstriathlon in unserer Region gehört und habe dann zusammen mit dem damaligen Freund meiner Tochter am Wettkampftag versucht, uns spontan anzumelden. Er war auch sehr sportlich, aber hatte nicht geglaubt, dass wir ohne Anmeldung beim Triathlon starten können.“ Trotzdem probierten sie ihr Glück und standen tatsächlich ein paar Minuten später an der Startlinie, weil zwei Plätze frei geworden waren. Rückblickend war das durchaus naiv beziehungsweise mutig – so ganz ohne Vorbereitung. „Ich war komplett kaputt, hatte Muskelkater ohne Ende, aber ich hatte Blut geleckt. Ich wollte mehr und habe mir anschließend das Ziel gesetzt, jedes Jahr einen Triathlon zu machen.“
Schritt für Schritt zu immer neuen Zielen
Aus einem Triathlon pro Jahr wurden bald mehrere. Sprint-, Kurz- und Mitteldistanzen, dazu Marathons – immer mit dem Anspruch, Sport und Alltag gut miteinander zu verbinden. Mit den Jahren wurde sein Training strukturierter und geplanter. Die Gesundheit spielte mit zunehmendem Alter eine immer größere Rolle. Leistungsdiagnostiken halfen ihm, realistisch einzuschätzen, was möglich ist. Nicht um immer schneller zu werden, sondern um gesund zu bleiben und seinen Körper nicht zu überfordern.
Ein Ziel aber blieb lange offen: der Ironman. „Ich habe immer damit geliebäugelt, aber die Zeit für die Vorbereitung war im Berufsalltag einfach nicht da.“ Erst mit dem Eintritt in den Ruhestand änderte sich das.
Der Traum mit 65 Jahren
Bis zu 25 Stunden Training pro Woche investierte Steffen Griese in seine Vorbereitung. „Es fühlte sich fast an wie früher an der Sportschule – nur ohne Druck.“
2024 erfüllte er sich dann seinen Traum beim Ironman Frankfurt. Nach 14:54 Stunden erreichte er mit 65 Jahren die Ziellinie. „Beim Zieleinlauf lief nicht nur Schweiß, sondern auch Tränen. Für mich war nicht die Zeit entscheidend, sondern dass ich diesen Traum umgesetzt habe.“ Einen weiteren Ironman möchte der heute 67-jährige aber nicht mehr machen. Für ihn ist das Ziel erreicht. Damit andere ebenfalls ihre Ziele erreichen, gibt Griese mittlerweile seine Erfahrungen als Coach an junge Sportlerinnen und Sportler weiter. Außerdem hat er seine Geschichte in einem Buch mit dem Titel “Frankfurt Spezial” aufgeschrieben, in dem er davon erzählt, dass Träume kein Verfallsdatum haben. Seine Botschaft ist klar: „Guck, dass du nicht rostest.“
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.