Grenzen verschieben – Janines Weg in die Langdistanz
Das ist genau die Welt, in der ich sein möchte. Die Art von Menschen, mit denen ich Zeit verbringen möchte.
Janines erste Begegnung mit dem Triathlon liegt lange zurück: ein kleiner Vereinswettkampf Anfang der 2000er mit 50 Metern Schwimmen, 3 Kilometern Radfahren und 800 Metern Laufen – „Wir haben uns zwischen den Disziplinen sogar noch ganz in Ruhe umgezogen“, erinnert sie sich lachend.
Damals spielt Triathlon als Sport keine Rolle. Doch die Faszination fürs Radfahren bleibt. Ein altes Rennrad ihres Onkels wird schnell ihr Alltagsrad. Besonders die Geschwindigkeit hat es ihr angetan.
Als alles ins Wanken geriet
Mit 14 ändert sich alles abrupt: Ein Unfall auf dem Rennrad. Sie wird von einem Auto erfasst, stürzt schwer und bricht sich Nase und Sprunggelenk. „Ich hatte Glück im Unglück“, sagt sie heute. Doch die Angst bleibt – und sie steigt lange nicht mehr aufs Rad.
Kurz darauf endet auch ihre Schwimmkarriere. Stattdessen findet sie im Tanzsport eine neue Leidenschaft.
Neuer Weg – ohne Radfahren und Schwimmen
Nach dem Abitur beginnt Janine Langer ein Lehramtsstudium in Münster – zunächst für Biologie und Französisch. Doch schnell erkennt sie, dass sie etwas anderes will: „Ich habe gemerkt, dass ich lieber Sport unterrichten möchte. Ich möchte Menschen Freude an sportlicher Bewegung vermitteln.“ Sportliche Bewegung bleibt ihr Lebensmittelpunkt, auch ohne Schwimmen und Radfahren. Erst der Eignungstest bringt sie zurück ins Wasser – und öffnet ihr die Tür zum Laufen. „Ich habe eine richtige Liebe fürs Laufen entwickelt.“
Das Rennrad hingegen bleibt zunächst außen vor. Immerhin steigt sie zumindest für kurze Strecken wieder auf ein Hollandrad, denn Radfahren ist in Münster essenziell.
Der Moment, der alles veränderte
Der Wendepunkt kommt nach dem Referendariat: Ein Bekannter nimmt sie mit in einen Fahrradladen. „Ich war total aufgeregt“, sagt sie rückblickend. Nach Jahren steigt sie wieder auf ein Rennrad – und fährt einfach los. „Ich wusste sofort: Ich will wieder Rennrad fahren.“
Die Angst ist plötzlich verschwunden. Und mit einem Moment ist sie zurück, mittendrin im Triathlon – in allen drei Disziplinen.
Zurück im Triathlon: Der Weg zur Langdistanz
Der nächste Schritt folgt fast automatisch. Wenn schon drei Disziplinen, dann auch richtig. „Ich bin am liebsten perfekt vorbereitet. Deshalb habe ich mir Planungslisten erstellt, Videos angeschaut, das Regelwerk studiert und Wechseltraining gemacht, weil ich unbedingt mit Clickies fahren wollte. Ich war nervös, wie es sich anfühlen würde, alle drei Disziplinen hintereinander zu machen“, beschreibt sie diesen Moment.
Ihr erster Triathlon wird zu einem besonderen Erlebnis – vor allem wegen der Atmosphäre: „Es war so wertschätzend, gerade unter den Frauen. Wenn man sich auf der Laufstrecke begegnet, feuert man sich gegenseitig an – irgendwie ist das eine ganz besondere Stimmung gewesen, und ich war so glücklich.“
Von dort geht es schnell weiter: Sprint, Kurzdistanz, Marathon in Berlin – und schließlich die Entscheidung für längere Strecken. „Ich glaube, dieses lange, das taugt mir.“
Heute sind Mittel- und Langdistanzen ihr Zuhause. Doch sie weiß auch, dass sie viel Vorbereitungszeit braucht: „Das wäre sonst ein bisschen respektlos auch gegenüber anderen Athleten, wenn man da nicht gut vorbereitet ist, weil das einfach eine Sache ist, die auch schnell ungesund oder gefährlich werden kann“, erklärt die 37-jährige.
Ihre größten Erlebnisse: die Weltmeisterschaft im Duathlon– und die Challenge Roth 2025. „Das ist genau die Welt, in der ich sein möchte. Das ist die Art von Menschen, mit denen ich Zeit verbringen möchte, die sich gegenseitig unterstützen.“ Auch wenn es sportlich nicht perfekt läuft, bleibt der Moment unvergesslich, denn sie verlobt sich direkt im Anschluss mit ihrem Partner, der ebenfalls begeisterter Ausdauersportler ist und viele Trainingseinheiten und Wettkämpfe mit ihr zusammen bestreitet.
Von ihrer früheren Angst ist heute nichts mehr zu spüren. Sie ist angekommen – im Ausdauersport, im Triathlon und bei sich selbst. Und wer sie heute fragt, bekommt eine überraschende Antwort: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so gerne laufe. Jetzt ist es meine Lieblingsdisziplin geworden. Und mittlerweile wird auch das Radfahren wieder immer mehr zu meiner Lieblingsdisziplin.“ Heute nutzt sie ihre Erfahrung auch, um sich für Frauen im Triathlon einzusetzen und ist als Botschafterin unterwegs.
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.