Wie Ersa sein Leben veränderte – Gänsehaut inklusive
Der erste Schritt muss nicht perfekt sein, er muss nur gemacht werden.
Ersa, was war deine Reaktion, als du erfahren hast, dass du zum Triathlon-Helden des Monats November 2025 nominiert worden bist?
Ich hatte sofort Gänsehaut. Seitdem bekomme ich das Grinsen kaum noch aus dem Gesicht. Es hat sich angefühlt wie ein Kribbeln im Kopf, das Blut ist mir mit einer Geschwindigkeit durch die Adern geschossen, die ich so nicht einmal von der Rennstrecke kenne.
Natürlich habe ich als Erstes meine Frau angerufen, die mich nominiert hat, um ihr zu danken und ihr zu sagen, wie sehr ich sie liebe.
Wenn du auf Oktober 2022 zurückblickst, was war der Moment, in dem du entschieden hast, dein Leben zu verändern?
Mein Vater ist an Lungenkrebs erkrankt. Als sich sein Zustand verschlechterte, wollte ich ihn trotz allem nicht gehen lassen, obwohl ich wusste, wie es enden würde. Dann kam dieser eine Moment, in dem ich mich gefragt habe, was ist mit meinen Kindern? Was wäre, wenn ich aufgrund einer Krankheit gehen müsste? Es musste sich etwas ändern.
Der Weg von 172,5 Kilogramm hin zu Sprinttriathlons und Radrennen war sicher nicht linear. Was waren die größten Rückschläge und was hat dir geholfen, dranzubleiben?
Angefangen hat alles mit dem Radfahren. Erst kurze Strecken, dann immer längere. Es fühlte sich an wie Fliegen im Vergleich zu meiner früheren Fortbewegung.
Ich habe Freunde wieder getroffen, die bereits im Triathlon angekommen waren. Damals hatte ich noch abgewunken und mir nicht vorstellen können, jemals einen Triathlon zu machen. Trotz Verletzungen, Motivationslöchern und Entwicklungsstopps habe ich mich schließlich auf meinen ersten Triathlon vorbereitet. Der Löwentriathlon war mein erster Wettkampf, und 2026 werde ich dort wieder an der Startlinie stehen.
Was bedeutet es dir, anderen Mut zu machen, die gerade am Anfang eines schweren Weges stehen?
Das Wichtigste für mich ist, dass meine Kinder mich als Vorbild sehen. Dass sie 2026 ihre ersten Kindertriathlons absolvieren werden, erfüllt mich mit Stolz. Ich hatte selbst Menschen, die mich motiviert haben, vor allem solche mit ähnlicher Ausgangssituation. Genau so jemand möchte ich heute für andere sein.
Welcher Moment war 2025 emotional der stärkste für dich und warum?
Der Zieleinlauf beim Löwentriathlon war mein emotionalster Moment. Alle Zweifel, die Angst und die Anspannung sind in diesem Augenblick von mir abgefallen. Als ich im Ziel René, auch bekannt als Supporterkeule, gehört habe, wie er mich mit den Worten „Merhaba Ersa“ begrüßt hat, wusste ich, ich habe es geschafft.
Ich bin rund 20 Minuten unter meiner selbst gesteckten Zielzeit geblieben. In diesem Moment musste ich weinen. Noch vor wenigen Jahren wäre das für mich undenkbar gewesen.
Was geht dir durch den Kopf, wenn du an dein Ziel IRONMAN 70.3 zum 50. Geburtstag denkst?
Der erste Gedanke ist tatsächlich Angst. Die einzelnen Disziplinen sind kein Problem, aber sie hintereinander zu absolvieren und der Anspruch an mich selbst erzeugen Respekt.
Gleichzeitig überwiegt die Vorfreude, besonders weil ich ein Team im Rücken habe, das mich mit Erfahrung unterstützt. Es ist eine Mischung aus Angst, Vorfreude und Stolz.
Welche Botschaft möchtest du Menschen mitgeben, die gerade zweifeln oder sich nicht trauen anzufangen?
Warte nicht darauf, dass du dich bereit fühlst. Der erste Schritt muss nicht perfekt sein, er muss nur gemacht werden. Veränderung entsteht durch viele kleine Entscheidungen. Wenn ich es geschafft habe, dann kannst du das auch.
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.