Eine Triathletin läuft mit zum Jubel hochgerissenen Armen als Erste auf das Zielband zu

Historischer WM-Erfolg: Lisa Tertsch krönt sich Down Under zur Weltmeisterin

19.10.2025 –  Oliver Kraus

WM-Coup Down Under: Lisa Tertsch hat sich im Rahmen des World Triathlon Championship Finals in Wollongong (Australien) den Weltmeistertitel über die Kurzdistanz gesichert – und damit Triathlon-Geschichte geschrieben.

Eine Triathletin läuft mit zum Jubel hochgerissenen Armen als Erste auf das Zielband zu

Dank ihres zweiten Saisonsiegs setzte sich die 26-jährige Darmstädterin im letzten Rennen der WM-Serie doch noch an die Spitze des Gesamtklassements und feierte als erste deutsche Frau den WM-Titel.

Die Hessin zeigte an der Ostküste Australiens eine hochkonzentrierte und taktisch kluge Vorstellung. Tertsch hielt beim Schwimmen Anschluss an die Führungsgruppe, kam als Dritte aus dem Wasser und blieb auch auf der Radstrecke in der sechsköpfigen Spitzengruppe aufmerksam, als die Französin Emma Lombardi einen Ausreißversuch startete. Schon hier wurde deutlich, dass Tertsch entschlossen war, ihre Außenseiterchance auf den großen Wurf zu nutzen.

Die Entscheidung um die WM-Krone fiel dann auf der Laufstrecke. Weder Cassandre Beaugrand (FRA) und Beth Potter (GBR), die beide vor dem Rennen punktgleich die WM-Serie angeführt hatten und nicht besser als Rang fünf abschneiden durften, konnten das hohe Tempo auf dem anspruchsvollen Kurs mitgehen. Nachdem zunächst die französische Titelverteidigerin und Olympiasiegerin von Paris 2024 überraschend ausgestiegen war, ließ auch die Britin abreißen. Am Ende bewältigte Tertsch die 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen in 1:56:50 Stunden und machte die Kurzdistanz-WM-Sensation mit 3.886 Punkten vor Leonie Periault (FRA; 3.577) und Potter (3.313) perfekt. In der Tageswertung belegten Bianca Seregni (ITA; 1:57:04) und Emma Lombardi (FRA; 1:57:16) die Plätze zwei und drei.

„Ich kann es nicht gar nicht glauben. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin absolut überwältigt“, sagte Tertsch nach ihrem Eintrag in die Geschichtsbücher. 

„Ich habe nicht davon geträumt, sondern mich all die Tage nur auf mich konzentriert und darauf, was ich beeinflussen kann. Natürlich wusste ich, was für Konstellationen möglich wären, aber dass sich das Rennen so entwickelt, hätte ich nie erwartet. Ich habe mitbekommen, was um mich herum passiert ist, aber versucht, ruhig zu bleiben und mein eigenes Rennen zu machen. Das war hart.“

Hart wie auch der Saisonverlauf insgesamt, der für die Deutsche Meisterin über die Sprintdistanz einige Höhen und Tiefen bereithielt. Nach dem Auftaktsieg in Abu Dhabi und Rang drei in Yokohama folgten durchwachsene Ergebnisse wie an der Côte d’Azur, ehe die Formkurve mit Platz drei in Karlsbad und dem zweiten Platz in Weihai wieder deutlich nach oben zeigte.

„Nach dem Rennen in Fréjus war ich down. Ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Aber ich denke, wenn man jedes Rennen in der Saison bestreitet, kann man sich auch mal ein schlechtes erlauben“, so Tertsch abschließend.

Neben der vielumjubelten Weltmeisterin Tertsch überzeugte mit Tanja Neubert eine weitere Deutsche beim Saisonfinale. Nach einem größeren Rückstand im Schwimmen zeigte die 25-Jährige eine starke Aufholjagd auf dem Rad, fuhr sich nahezu im Alleingang in die große Verfolgergruppe und kam dank einer nahezu identischen Laufzeit wie Tertsch als hervorragende Neunte ins Ziel (1:57:51). Damit sicherte sie sich Platz zehn im WM-Gesamtranking (2.612 Punkte).

Weniger Glück hatte Selina Klamt, die nach einem Sturz auf einer schnellen Abfahrt das Rennen vorzeitig beenden musste. Annika Koch, die sich zu Wochenbeginn eine Erkältung eingefangen hatte, verzichtete auf einen Start. 

Ergebnisse

Das Ergebnis des letzten Rennens der WM-Serie steht online zur Verfügung. Einen Überblick das WM-Gesamtranking der World Triathlon Championship Series 2025 gibt es hier.