7:35:39 Stunden - drei erfüllte Wünsche und ein Gänsehautmoment

08.12.2020 –  Thorsten Eisenhofer

Irgendwann im Frühsommer diesen Jahres erhielt Sebastian
Koke die Nachricht von der Verschiebung des Ironman 70.3 Westfriesland von Ende
Juni auf Mitte Oktober. Schon zu diesem…

koke

Irgendwann im Frühsommer diesen Jahres erhielt Sebastian Koke die Nachricht von der Verschiebung des Ironman 70.3 Westfriesland von Ende Juni auf Mitte Oktober. Schon zu diesem Zeitpunkt war sich Sebastian sicher: dieses Rennen, der eigentliche Höhepunkt seiner Saison, wird dieses Jahr nicht stattfinden – was dann auch so kommen sollte. Sebastians Problem war: Er möchte nächstes Jahr beim DATEV Challenge Roth erstmals auf der Langdistanz starten. Und er wollte daher dieses Jahr unbedingt noch einen Wettbewerb über die Mitteldistanz absolvieren. „Ein Zwischenziel haben“, nennt er das.

In den folgenden Wochen grübelte Sebastian, welche (Wettkampf-)Möglichkeiten und –Alternativen es gibt. Bald war für ihn klar: er möchte einen Wettkampf für sich organisieren. Und diesen mit einer Spendenaktion verbinden. Charity-Aktionen liegen ihm am Herzen. 2018 hat er mit seinem Start beim Ironman 70.3 Zell am See im Freundes- und Bekanntenkreis Spenden für ein Hospiz im Bochumer Stadtteil Ehrenfeld, wo er aufwuchs, gesammelt. Rund 4000 Euro kamen damals zusammen.

Ihm ist es wichtig, Institutionen zu unterstützen, die Aufgaben wahrnehmen, die ihn beeindrucken. Wie zum Beispiel ein Hospiz. „Ich habe Respekt vor dem Tag x, der bei jedem Menschen irgendwann kommt. Und ich habe Respekt vor den Menschen, die einen auf dem letzten Teil dieses Weges begleiten und unterstützen.“

Während eines geselligen Abends mit einem Kumpel kam ihm schließlich die Idee, mit der er seinen Wunsch, einen Wettkampf für sich zu organisieren, seinen Wunsch 2020 noch eine Mitteldistanz zu bestreiten und seinen Wunsch, das Hospiz zu unterstützen, verbinden konnte – und auch den DATEV Challenge Roth, wo er 2021 auf der Langdistanz debütieren möchte, einbinden kann.

Der Plan: Er absolviert einen Triathlon in der Weltrekordzeit von Jan Frodeno, die dieser 2016 in Roth (7:35:39 Stunden) aufgestellt hat. Sebastian nahm sich vor - wie Frodeno 2016 in Roth - 45 Minuten zu schwimmen. Sebastian nahm sich vor - wie Frodeno 2016 in Roth - 4:08 Stunden Rad zu fahren. Und Sebastian nahm sich vor - wie Frodeno 2016 in Roth - 2:39 Stunden zu laufen. Mit dem kleinen Unterschied, dass der dreimalige Ironman-Weltmeister in dieser Zeit eine Langdistanz finishte und Sebastian in dieser Zeit in etwa eine Mitteldistanz schaffen würde. Seine persönliche Bestzeit über 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen steht bei knapp unter sieben Stunden.

Über Wochen bastelte Sebastian an den Strecken, um seinen Heimatort Lünen mit seinem Geburtsort Bochum zu verbinden. Er suchte ein Schwimmbad, Radstrecken mit wenigen Ampeln, eine Laufstrecke, die um das Hospiz führte. Für sein Unterfangen wählte er den zweiten Samstag im Oktober aus. Jenen Tag, an dem eigentlich die Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii hätten stattfinden sollen und Jan Frodeno seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigten wollte. Der zweite Samstag im Oktober ist aber zufälligerweise auch, das wusste Sebastian nicht, Welthospiz-Tag. Ein schöner Zufall, der sich zu den 8955 Euro („Mehr als ich gedacht habe“) gesellte, die er für 1,9 Kilometer Schwimmen, 105,6 Kilometer Rad fahren und 22,5 Kilometer laufen sammelte. Spender*innen konnten für jeden Kilometer, den Sebastian zurücklegte, einen Betrag x geben.

Als ein ganz besonderer Moment sollte sich der Zieleinlauf erweisen. Ein paar Tage vor seinem Wettkampf hatte er beim DATEV Challenge Roth wegen einer Finishermedaille angefragt. Im Endeffekt gab es für Sebastian nicht nur die Medaille, sondern auch das Original-Zielbanner von 2016 für seinen Zieleinlauf in Bochum. „Ich hatte schon Gänsehaut beim Auspacken. Es ist ein tolles Gefühl, das gleiche Zielband wie mein Idol Jan Frodeno in der Hand zu halten“, sagt Sebastian. Das Zielband bekam er zwar nur leihweise, den Moment des Überquerens der Ziellinie, welches seine Eltern hielten, wird er allerdings niemals vergessen.