„Ich wollte zeigen, dass man auch mit anderen körperlichen Voraussetzungen viel erreichen kann.“
Nach meinem ersten Finish der Olympischen Distanz wusste ich: Ich will mehr.
Rike, du wurdest zur Triathlon-Heldin des Monats gewählt. Wie hast du davon erfahren – und was bedeutet dir diese Auszeichnung?
Ich war ganz aus dem Häuschen. Ich hatte eine so schöne Triathlon-Saison, dass das ein wunderbarer, krönender Abschluss war.
Was macht deinen Weg im Triathlon besonders?
Ich wurde mit einer Fehlbildung an meiner rechten Hand geboren, wodurch meine Finger steif sind. Am linken Fuß fehlt mir der große Zeh. Ich bin sehr dankbar, dass an meiner Hand keine Amputation nötig war.
Beim Schwimmen merke ich die fehlende Streckung über den großen Zeh, und beim Radfahren habe ich manchmal das Gefühl, links weniger Druck zu haben. Beim Laufen bin ich laut einer medizinischen Studie genauso ausbalanciert wie Menschen mit zwei gesunden Füßen.
Es ist ein Ansporn, zu zeigen, dass man auch mit anderen körperlichen Voraussetzungen super viel erreichen kann.
Wie bist du zum Triathlon gekommen?
Nachdem ich mein langjähriges Hobby Reiten aufgegeben hatte, habe ich wieder regelmäßig mit dem Laufen angefangen und bin beim Kölner Halbmarathon mitgelaufen. Danach wollte ich etwas Neues ausprobieren.
Eine Freundin hatte mal Triathlon vorgeschlagen – und so bin ich auf den Kölner Triathlon gestoßen. Die Olympische Distanz klang für mich herausfordernd, vor allem das Schwimmen. Ich konnte damals nur Brustschwimmen mit Kopf über Wasser.
Wie hast du dich weiterentwickelt?
Nach meinem ersten Finish der Olympischen Distanz wusste ich: Ich will mehr. Ich habe mir Kraulschwimmen mit YouTube-Videos selbst beigebracht, weil ich keinen Kursplatz bekommen habe. Die ersten Monate waren zäh, aber irgendwann hat es „klick“ gemacht.
Seit Herbst 2024 trainiere ich mit einer App und bin beeindruckt, wie viel ich dadurch erreicht habe. Die Einheiten sind nicht härter, aber gezielter. Zusätzlich achte ich auf Schlaf, Ernährung und übe die Verpflegung für längere Distanzen.
Was war dein bisher unvergesslichster Wettkampf?
Mein letzter Triathlon dieses Jahr war besonders: Ich habe zum ersten Mal gewonnen. Auf der Laufstrecke riefen mir Helfer zu, dass ich Zweite sei und dass ich die Erste noch einholen könne. Ich habe die Chance genutzt und es tatsächlich geschafft. Als Erinnerung habe ich jetzt einen vom Biber angeknabberten Holzstumpf als Pokal – passend zum Bibermann Triathlon.
Was machst du in der Off-Season?
Ich genieße es, zu lesen, Makramee zu machen, zu malen, ins Theater oder Museum zu gehen und neue Dinge auszuprobieren. Der Sport bleibt trotzdem Teil meines Alltags – ob Rennradausfahrten am Deich, Graveltouren durch die Heide oder Longruns entlang der Alster. Nur ohne Trainingsplan.
Welche Ziele hast du noch?
Ich würde gerne bei dem ein oder anderen Wettkampf auf dem Treppchen stehen. Dieses Jahr hatte ich neun Wettkämpfe und bin verletzungsfrei geblieben – das wünsche ich mir auch für die Zukunft. Beim Schwimmen stagniert es gerade etwas. Da wäre es gut, wenn mal ein Trainer draufschaut. Und ich habe Lust, neue Triathlonveranstaltungen in der Umgebung kennenzulernen.
Was bedeutet dir Triathlon über den Wettkampf hinaus?
Triathlon ist für mich mehr als nur Training und Wettkampf. Es ist Ausgleich, Leidenschaft und ein Weg, mich selbst immer wieder neu herauszufordern. Mich begeistert es, dass dieser Sport so vielfältig ist – und dass er zeigt: Unterschiedlichste Körper sind zu unterschiedlichsten Leistungen fähig. Es ist absolut nicht offensichtlich, wer in welcher Disziplin wie stark ist. Genau das macht Triathlon für mich so besonders.
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.