Vom Sprinttriathlon zu Extremrennen: Tanja Spielbergers außergewöhnlicher Weg

Vom ersten Sprinttriathlon aus purer Neugier bis zu den härtesten Extrem-Triathlons der Welt: Tanja Spielberger hat einen Weg eingeschlagen, den sie sich früher selbst kaum vorstellen konnte. Die 35-jährige Hundeliebhaberin erzählt, wie sie schwere Rückschläge überstanden hat und immer wieder stärker zurückkam. Heute gehört sie zu den erfolgreichsten Athletinnen der XTRI-Serie weltweit.

Frau in Regenjacke bei schlechtem Wetter auf dem Rennrad
Triathlon hat mir gezeigt, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren, dass Rückschläge neue Wege eröffnen können. Und dass wir als Frauen stärker sind, als wir manchmal glauben.
Tanja Spielberger
Frau und Mann halten das Finisherbanner hoch
Frau klettert einen Berg hoch, hinter ihr folgen zwei weitere

Wenn mir jemand 2013 gesagt hätte, wohin mich dieser Sport einmal führen würde, hätte ich vermutlich nur gelacht. Radfahren fand ich damals ehrlich gesagt ziemlich doof. Und ein Ironman? Das war für mich völlig außerhalb jeder Vorstellung. 

Und doch stand ich genau in diesem Jahr zum ersten Mal an einer Triathlon-Startlinie. Ein Sprinttriathlon – mehr Neugier als großer Plan. Aber irgendetwas hat mich sofort gepackt. Die Mischung aus Schwimmen, Radfahren und Laufen, das Gefühl, die eigenen Grenzen Stück für Stück zu verschieben – plötzlich wollte ich mehr. 

Drei Jahre nach meinem ersten Triathlon stand ich schließlich tatsächlich am Start meiner ersten Langdistanz bei der Challenge Roth. Ein Traum, der noch wenige Jahre zuvor unvorstellbar gewesen wäre. Doch kurz darauf wurde mein Weg abrupt ausgebremst: Eine beidseitig zentrale Lungenembolie stellte alles infrage. Training, Wettkämpfe, Zukunftspläne – plötzlich ging es nicht mehr um Zeiten oder Platzierungen, sondern darum, überhaupt wieder gesund zu werden. Ich realisierte aber: Der Sport hat mir gerade das Leben gerettet, denn wäre ich nicht so gut trainiert gewesen, hätte ich das Ganze weit nicht so unbeschadet überstanden. Am Tag vor der Diagnose finishte ich sogar noch die Olympische Distanz beim Allgäu Triathlon. 

Der Weg zurück war lang und manchmal frustrierend. Aber genau in dieser Zeit habe ich gelernt, was Durchhaltevermögen wirklich bedeutet. Schritt für Schritt kämpfte ich mich zurück – und durfte 2018 zwei Podiumsplatzierungen über die Ironman-Distanz beim Ironman Lanzarote und Ironman Kentucky feiern. Momente, die mir gezeigt haben: Rückschläge können auch der Anfang von etwas Neuem sein. 

Doch der nächste Rückschlag ließ nicht lange auf sich warten. Eine Verletzung zwang mich zu einer längeren Laufpause. Statt mich davon entmutigen zu lassen, entdeckte ich eine neue Leidenschaft: Ultraradfahren. Denn: Wenn ich nicht laufen kann, fahr ich eben mehr Rad. Stunden, manchmal ganze Tage im Sattel, immer weiter, immer weiter aus meiner Komfortzone heraus. Gekrönt wurde das Jahr mit dem zweiten Platz bei der RAA Challenge (560km/6.500hm Non-Stop rund um Oberösterreich). 

2021 erlebte ich dann einen meiner bisher emotionalsten Wettkämpfe: Beim Ironman Hamburg wurde ich schnellste Agegrouperin und qualifizierte mich für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Ein Jahr später stand ich tatsächlich auf der legendären Strecke in Kona und durfte die Ironman-WM finishen – ein Moment, der sich immer noch ein bisschen surreal anfühlt.  

Im selben Jahr wagte ich beim Austria Extreme Triathlon meinen ersten Schritt in die Welt der Extrem-Triathlons. Was ursprünglich nur ein „Ausflug“ sein sollte, hat mich sofort in seinen Bann gezogen: wilde Natur, epische Strecken, Temperaturen nahe am Gefrierpunkt, tausende Höhenmeter – und vor allem eine unglaubliche Gemeinschaft. 

Also setzte ich mir ein verrücktes Ziel: die XTRI Series zu finishen – fünf der härtesten Triathlons der Welt innerhalb von drei Jahren. Als ich im November 2024 das fünfte Zielband durchlief, wurde ein Traum Realität: Ich war die erste Frau weltweit, die diese Serie beendet hat – und auf dem Weg dorthin konnte ich alle fünf Rennen gewinnen, teilweise neue Streckenrekorde aufstellen und sogar die schnellste Gesamtzeit aller Finisher – auch der Männer aufstellen. Mit dem Sieg 2025 beim ICON Extreme Triathlon in Livigno folgte ein weiteres Kapitel dieser Reise.   

Und jetzt beginnt ein neues Abenteuer: Ich bin schwanger. 

Zum ersten Mal steht nicht der nächste Wettkampf im Mittelpunkt, sondern ein kleines neues Leben. Aber eines weiß ich schon jetzt: Diese Reise ist noch lange nicht vorbei. Mein großer Traum ist es, als Mama wieder an der Startlinie zu stehen – bei der Norseman Xtri Weltmeisterschaft 2027. 
Triathlon hat mir gezeigt, dass Grenzen oft nur im Kopf existieren. Dass Rückschläge neue Wege eröffnen können. Und dass wir als Frauen stärker sind, als wir manchmal glauben. 

Wenn ich heute auf meine Reise zurückblicke, denke ich oft: Zum Glück fand ich Radfahren irgendwann doch nicht mehr so doof. 

Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.