Mein erster Triathlon (39): Thomas Rehbein
Ich habe gefinisht. Und ich will mehr.
Als ich mich vor einem Jahr mit meiner Frau unterhalten habe, habe ich gesagt: „Ach ja, der Ironman. Respekt vor jedem der ins Ziel kommt.“ Das war einmal. Denn seitdem ich letztes Jahr zum allerersten Mal Triathlonluft geschnuppert habe, kann ich nicht mehr ohne ihn.
Dabei war der Weg zu meinem neuen sportlichen Ich ein schwieriger. Mit dem Schwimmen hat alles angefangen.
Wasser ist mein Element. Ich liebe Wassersport, vor allem das Schwimmen. Mein Problem war nur, dass ich nie richtig kraulen gelernt habe und nach jedem Versuch, eine Bahn durchzuziehen eine Nahtoderfahrung gemacht habe.
Ich wollte aber auch, wie die anderen im Schwimmbad, eine Bahn nach der anderen ziehen. Die Geschwindigkeit war mir dabei völlig egal. Hauptsache, so viele Bahnen wie möglich. Also habe ich mich zu einem Kraultechnikkurs angemeldet, durch den ich zwei wesentliche Dinge gelernt habe
1. Beim Kraulen kommt es auf die Technik an.
2. Meine Kondition war unterirdisch.
Also stellte ich mir die Frage: Wie verbessere ich meine Grundkondition? Natürlich mit Laufen. Einziges Problem: Ich hasse Laufen! Doch was sein muss, muss sein. Ich habe mir Laufschuhe und eine Sportuhr gekauft, wollte schließlich wissen, wie lange und wie weit ich schwimmen und laufen kann. Was soll ich sagen – ich habe das Laufen tatsächlich lieben gelernt.
Die nächsten zwei Monate plätscherten dahin. Ich lief, das Schwimmen war großartig. Ich absolvierte die ersten zwei Kilometer am Stück in einer respektablen Zeit. Und plötzlich war da diese Leere: und jetzt? Ich war schneller geworden, es schwammen nicht mehr alle an mir vorbei. Es brauchte eine neue Herausforderung.
Kurzerhand habe ich mich zum Frankfurt City Triathlon angemeldet. Ab da gab es kein Zurück mehr. Was folgte, war eine intensive Beschäftigung mit dem Thema Triathlon. Ich studierte die Regeln, kaufte Bücher, schaute Videos und erstellte mir einen Trainingsplan. Mein Ziel: erst ein Sprint, dann im kommenden Jahr die Olympische Distanz – und schließlich das große Ziel: 2027 die Mitteldistanz beim Ostseeman. Ich will ein Ostseeman werden.
Die Monate vergingen. Ich schwamm seit acht Monaten, lief seit sieben und fuhr seit drei Monaten Rad. Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, wie ein Wettkampf wirklich abläuft. Wie ist das in der Wechselzone? Wo muss der Beutel hin? Zum Glück ist die Triathlon-Community unglaublich hilfsbereit. Und für meinen ersten Wettkampf nahm mich ein Freund an die Hand, der das alles schon kannte.Dann der große Tag: 5:30 Uhr, um mich herum wuselt es. Die Stimmung ist großartig. Ein Mix aus Anspannung, Aufregung und erstaunlicher Gelassenheit. Noch 30 Minuten bis zum Start. In mir steigt die Aufregung, also schwimme ich mich etwas ein. Das machen viele, es soll beruhigen, heißt es. Noch zehn Minuten. Noch fünf, noch drei.
Der Moderator fordert uns auf, zu klatschen und uns zu freuen. Ich klatsche mit – aber meine Freude fühlt sich eher wie eine Qual an. Mir ist übel vor Aufregung. Warum mache ich das? Was für ein Quatsch. Ich will nach Hause. Und gleichzeitig freue ich mich wie verrückt auf das, was gleich passiert. Rolling Start. Die ersten Triathleten sind im Wasser. Vor mir sind nur noch drei Reihen… "Bring das Vieh zur Schlachtbank", denke ich mir. Und dann bin ich dran.
Das Schwimmen ist meine Lieblingsdisziplin, und es sind nur 750 Meter. Aber irgendwie finde ich den Rhythmus nicht. Die ersten hundert Meter sind schwer, es fühlt sich nicht gut an. Aber es geht weiter, immer weiter und dann habe ich es geschafft und laufe aus dem Wasser zu meinem Fahrrad. Der Beutel liegt genau da, wo er sein soll. Ich bin außer Atem und unzufrieden mit mir selbst, ich habe zu schnell angefangen.
Trotzdem: Es macht Spaß. In der Wechselzone wird gelacht, man kommt ins Gespräch. So kann sich also auch ein Wettkampf anfühlen. Ich hole mein Fahrrad laufe mit ihm durch die Wechselzone, ehe ich mich aufs Rad schwinge.
Endlich freie Straßen, keine Autos, kein Verkehr. Ich genieße es. Es ist schnell, es ist intensiv – und gleichzeitig ein bisschen einsam. Ich achte auf die 12-Meter-Regel, auf Überholmanöver. Es bildet sich eine kleine Gruppe, wir wechseln uns ab, motivieren uns und reden sogar miteinander. Was für Momente. Was für Leute. Was für ein geiler Sport.
In der Wechselzone wollen meine Beine nicht laufen. Sie sind schwer, müde. Ich gehe ein paar Meter. Dann laufen sie wieder. Fünf Kilometer Laufen. Meine Uhr zeigt eine Pace von 5:13. Eigentlich gut. Trotzdem werde ich ständig überholt. Mental wird es hart für mich. Der Körper will, aber der Kopf zweifelt. Kilometer für Kilometer kämpfe ich mich voran. Und immer wieder werde ich überholt. Endlich erreiche ich das Ziel!
Mein erster Triathlon ist vorbei. Ich bin fertig. Ich könnte heulen – vor Glück und Frust zugleich. Mit einer Zeit von 1:53:18 beende ich meinen allerersten Triathlon. Glücklich, aber auch enttäuscht, es hätte an der ein oder anderen Stelle besser laufen können.
Doch schon am nächsten Tag denke ich anders darüber. Wenn ich bedenke, wo ich acht Monaten zuvor gestanden habe, dass ich erst seit sieben Monaten laufe und drei Monate Rad fahre. Ich habe gefinisht. Und ich will mehr.
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.