Gemeinsam stärker: Wie ein Verein Frauen für den Triathlon begeistert
Gemeinsam zu trainieren, uns gegenseitig zu motivieren und diesen Weg zusammen zu gehen – das bedeutet mir unglaublich viel.
Die Idee für das Projekt entstand aus einer einfachen Beobachtung heraus. Im Verein mit rund 50 Mitgliedern waren Frauen deutlich unterrepräsentiert, weniger als zehn Frauen waren aktiv dabei. „Uns ist aufgefallen, dass wir eine sehr kleine Frauencommunity haben“, erklärt der 2. Vorsitzende Fabian Thiele. Gleichzeitig zeigte sich vor Ort immer wieder, dass das Interesse von Frauen am Triathlon da ist, der Einstieg für viele aber eine Hürde darstellte.
Im Januar fiel schließlich der Startschuss. Über Social Media wurden bereits im letzten Jahr zwölf Plätze für das Einsteigerinnenprogramm ausgeschrieben – und die Resonanz war überwältigend. Innerhalb von zwei Wochen waren alle Plätze vergeben. „Wir waren nicht sicher, wie es ankommt und daher positiv überrascht“, erinnert sich Geschäftsführerin Cäcilia Peeters. Heute trainieren elf Teilnehmerinnen gemeinsam auf ihr großes Ziel hin: den Triathlon in Gladbeck über die Sprintdistanz am 10. Mai – passenderweise am Muttertag.
Das Programm ist klar strukturiert und begleitet die Teilnehmerinnen Schritt für Schritt. Zweimal pro Woche steht Schwimmen auf dem Plan, dazu kommen eine Rad- und eine Laufeinheit sowie optional Yoga zur Kräftigung und Regeneration. Dabei geht es nicht um Bestzeiten oder Leistungsdruck, sondern darum, gemeinsam Fortschritte zu machen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.
„Viele Frauen trauen sich nicht, direkt in schnelle Trainingsgruppen zu gehen“, unterstreicht Projektpatin Nicole Jansen. Deshalb bietet das Projekt einen geschützten Rahmen: Frauen unterschiedlichen Alters und mit ganz verschiedenen sportlichen Hintergründen trainieren zusammen, unterstützt von erfahrenen Vereinsmitgliedern. Manche kommen aus anderen Sportarten, andere beginnen praktisch bei null. „Mit 58 noch das Kraulen zu lernen – das hätte ich mir früher nicht vorstellen können. Und jetzt macht es mir richtig Spaß.“, berichtet die älteste Teilnehmerin Janette.
Was sich in den ersten Wochen besonders gezeigt hat, ist der starke Zusammenhalt in der Gruppe. Schnell entstand eine eigene Dynamik: Die Teilnehmerinnen unterstützen sich gegenseitig, verabreden sich zum Training und geben Tipps weiter. Wer zum Beispiel zum ersten Mal mit Klickpedalen fährt, bekommt sofort Hilfe von erfahreneren Radfahrerinnen.
„Sie haben sich unglaublich schnell als Gruppe gefunden“, erzählt Nicole Jansen. Eine WhatsApp-Gruppe dient als Austauschplattform, in der motiviert, organisiert und auch mal gelacht wird. Ein besonderer Moment war der Kick-off zum Projektstart. Dort schrieben alle Teilnehmerinnen auf Karten, warum sie dabei sind und was sie motiviert. Aussagen wie „Never give up“, „Make yourself proud“ oder „Meinen Mann ärgern“ zeigen, mit wie viel Humor und Ehrgeiz die Gruppe an den Start gegangen ist.
Dass das Projekt nicht nur sportlich verbindet, sondern auch persönlich, zeigt eine besondere Konstellation: Eine Mutter und ihre Tochter nehmen gemeinsam teil. Ihr Ziel: Am Muttertag zusammen über die Ziellinie laufen. Tochter Laura freut sich auch über die gemeinsame Zeit: „Ein Marathon wäre mir zu einseitig gewesen – ich wollte etwas Neues, etwas Größeres. Mama und ich sind immer das Backup füreinander. Dass der Wettkampf am Muttertag stattfindet, macht es für uns noch besonderer. Gemeinsam zu trainieren, uns gegenseitig zu motivieren und diesen Weg zusammen zu gehen – das bedeutet mir unglaublich viel. Und ich hätte nie gedacht, dass ich trotz Job und zwei Kindern so viele Einheiten schaffe.“
Unterstützt wird das Projekt vom gesamten Verein. Die Trainerinnen und Trainer arbeiten ehrenamtlich, andere Mitglieder helfen bei der Trainingsorganisation oder stellen ihre Expertise zur Verfügung – etwa bei einem Reparaturkurs für Fahrräder oder einem Workshop zur Wechselzone im Triathlon.
Für Fabian Thiele ist das Projekt deshalb mehr als nur ein Trainingsangebot. „Es ist auch Vereinsentwicklung“, sagt er. Die Hoffnung ist, dass viele Teilnehmerinnen nach dem Projekt im Verein bleiben und die Frauencommunity weiterwächst.
Die ersten Wochen zeigen bereits, dass die Idee aufgegangen ist. Trotz Erkältungswellen und winterlicher Temperaturen ist die Motivation hoch. Für alle Teilnehmerinnen steht fest: Am 10. Mai geht es nicht um Zeiten oder Platzierungen – sondern darum, gemeinsam ins Ziel zu kommen. Und vielleicht ist das erst der Anfang einer neuen Tradition im Verein.
Du hast auch eine tolle, spannende oder witzige Geschichte zu erzählen, wie du zum Triathlon gekommen bist? Oder Verletzungen/Krankheiten oder besondere Momente/Ereignisse haben dich erst recht angespornt, (weiter) aktiv zu sein? Dann schreibe uns eine E-Mail an medien@triathlondeutschland.de. Und vielleicht erscheint hier bald deine Geschichte.