Leistungssport und Schule: Zwei Wege zur Junioren-EM
16.07.2026 – Tanja Weber / Hessischer Triathlon Verband
Christian Ache siegte in drei von vier Rennen und entschied die DTU Triathlon-Jugendcup-Serie mit der Maximalpunktzahl von 75. Gleichzeitig wurde er in Lübeck Deutscher Meister der Junioren. Ava Brambier nahm in Jena die bronzene DM-Medaille mit und schnitt im DTU Jugendcup auf Rang fünf ab.
Der HTV hat mit beiden gesprochen. Wie organisieren sie Schule und Leistungssport? Welche Vorteile und Herausforderungen bringen ihre unterschiedlichen Wege mit sich? Und was können junge Triathletinnen und Triathleten daraus lernen?
Ihr habt euch beide durch euren DM-Platz für die Junioren-EM qualifiziert, seid aber ganz unterschiedliche Wege gegangen. Ava, du bist für den Triathlon nach Potsdam gewechselt. Christian, du bist in Hanau geblieben. Wie sieht euer sportlicher und schulischer Alltag konkret aus?
Ava Brambier:
Ich bin vor zwei Jahren an den Bundesstützpunkt nach Potsdam gewechselt. Seitdem hat sich mein Trainingsumfang deutlich erhöht. Mein Alltag ist komplett auf den Leistungssport ausgerichtet: Meistens absolvieren wir zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag. Die erste Einheit beginnt morgens um 7:30 Uhr im Schwimmbad. Danach geht es direkt in die Schule. Am Nachmittag stehen dann weitere Einheiten auf dem Rad und beim Laufen auf dem Programm.
Christian Ache:
Mein Alltag sieht generell so aus, dass ich morgens gegen acht Uhr in der Schule bin. Ich habe oft bis nachmittags Unterricht. Danach absolviere ich meistens zwei Trainingseinheiten. Mittwochs und donnerstags kommt es aber auch vor, dass ich oft erst zur dritten Stunde Schule habe. Hier kann ich vor der Schule eine Einheit trainieren. Nach der Schule wird Training oft sehr stressig. Dienstags und freitags habe ich bis15:35 Uhr Schule, mittwochs und donnerstags sogar bis 17:10 Uhr. Mein Training absolviere ich entweder komplett allein bei mir zuhause, in Dieburg beim VfL Rea Card Team Münster oder beim Laufverein SSC Hanau Rodenbach.
Was waren die größten Vorteile, aber auch die größten Herausforderungen eures jeweiligen Weges?
Ava Brambier:
Ein großer Vorteil in Potsdam ist, dass sich alle Sportstätten direkt auf dem Campus befinden. Dadurch fallen lange Fahrzeiten weg und ich kann mich voll auf Schule und Training konzentrieren. Die größte Herausforderung ist allerdings die große Entfernung zu meiner Familie. Ich bin nur selten zu Hause und vermisse sie natürlich.
Christian Ache:
Ein großer Vorteil sind für mich die Trainingsgruppen in Dieburg und Rodenbach. Dort trainiere ich mit Athleten, die zur deutschen Spitze gehören. Außerdem komme ich mit meinen Trainern sehr gut zurecht. Herausforderungen sind, dass ich nicht so viel Freiraum habe in Bezug auf Zeit, da mein Tag eigentlich komplett durchgeplant ist mit Training und Schule. Zeit zum Entspannen ist rar. Außerdem habe ich teilweise längere Trainingswege, als das an einem Stützpunkt der Fall wäre.
Gab es Momente, in denen ihr an eurem Weg gezweifelt habt? Was hat euch geholfen, trotzdem dranzubleiben?
Ava Brambier:
So richtige Momente, an denen ich an meinen Weg gezweifelt habe, gab es zum Glück bis jetzt noch nicht so richtig. Allerdings hat man immer etwas Zweifel an dem, was man macht, vor allem, wenn es auch mal über einen längeren Zeitraum im Training nicht so gut läuft. Das Wichtigste ist einfach sein Ziel. Das muss man sich vor Augen halten und daran glauben. Am Ende schafft man es dann auch! Und selbst wenn es im ersten Versuch nicht funktionieren sollte, hat man ja immer noch viel gelernt aus dem ganzen Weg. Genau wie im Wettkampf, wenn etwas nicht so gut läuft, schraubt man beim nächsten Mal daran und es wird besser.
Christian Ache:
Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen man an sich oder seinem Weg zweifelt, gerade nach Rückschlägen oder wenn es im Training nicht so läuft wie erhofft. In solchen Phasen ist es wichtig, dranzubleiben und sich daran zu erinnern, warum man den Sport überhaupt macht. Für mich war entscheidend, die Freude und den Spaß am Triathlon nie aus den Augen zu verlieren.
Welchen Rat würdet ihr einer jungen Triathletin oder einem jungen Triathleten geben, die oder der den Sprung in die nationale Spitze schaffen möchte?
Ava Brambier:
Mein wichtigster Rat wäre: Hab Geduld und gib nicht auf! Nicht jeder entwickelt sich gleich schnell, manchmal kommt der entscheidende Schritt später, als man erwartet. Außerdem sollte man den Sport nicht zu verbissen sehen, sondern sich auch über kleine Fortschritte freuen. Wer langfristig mit Freude und Ausdauer trainiert, hat die besten Voraussetzungen, seine Ziele zu erreichen.
Christian Ache:
Mein Rat an den 14- oder 15-jährigen Nachwuchstriathleten wäre auf jeden Fall, immer am Ball zu bleiben und weiterzumachen, auch wenn es vielleicht große Rückschläge gibt. Consistency is key sagt man ja gerne so schön. Wer kontinuierlich trainiert und auch nach Rückschlägen weitermacht, macht langfristig die größten Fortschritte. Außerdem hilft es immer, sich Connections zu anderen Athleten und Trainern aufzubauen, die eben besser sind, sodass man am Ende eine gute Trainingsgruppe hat.
Der HTV drückt Ava Brambier und Christian Ache für die Junioren-Europameisterschaften in Elblag fest die Daumen und wünscht beiden spannende Rennen und viel Erfolg.