Jubelnder Para Triathlet mit nur einer Hand

Klassifizierung

Die Klassifizierung von Athlet*innen ist eines der Hauptmerkmale des Sports für Menschen mit Behinderung. Die Einteilung der Sportler*innen in Startklassen soll eine möglichst hohe Chancengleichheit herstellen.

Alle Para Triathlet*innen, die an nationalen sowie internationalen Meisterschaften teilnehmen möchten, müssen zuvor die Klassifizierung durchlaufen. Dabei werden verschiedene Tests wie beispielsweise Muskelfunktionstests und triathlonspezifische Techniktests absolviert und Punktwerte erzielt. Anhand des Gesamtpunktwerts wird man in eine Startklasse eingeordnet.

In der Sportordnung der DTU im Abschnitt 21 "Para Triathlon" wird genauer beschrieben, wie die Klassifizierung von statten geht. Seit 2018 gibt es insgesamt neun Startklassen, die im Folgenden kurz beschrieben werden.

Startklassen

PTWC1: Handbike/ Rennrollstuhl

Benjamin Lenatz Handbike

In dieser Klasse starten Athlet*innen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen, die dazu führen, dass ein konventionelles Fahrrad nicht sicher gefahren werden kann. Als Ursache können beispielsweise eingeschränkte Muskelkraft, Gliedmaßenverlust, Hypertonie, Ataxie oder auch Atheose sein. In dieser Klasse müssen ein Liege-Handbike (recumbent handcycle) und einen Rennrollstuhl verwendet werden (max. 463 Punkte).

PTWC2: Handbike/ Rennrollstuhl

Christiane Reppe im Handbike

Wie auch in der PTWC1 können Athlet*innen in dieser Startklasse ein konventionelles Fahrrad nicht sicher fahren, jedoch sind die Bewegungseinschränkungen nicht so stark wie in der PTWC1. Als Ursache können beispielsweise eingeschränkte Muskelkraft, Gliedmaßenverlust, Hypertonie, Ataxie oder auch Atheose sein. Athleten dieser Startklasse müssen ein Liege-Handbike (recumbent handcycle) und einen Rennrollstuhl verwenden (max. 640 Punkten).

PTS2: Schwerwiegende Bewegungseinschränkungen

Stefan Lösler beim laufen.

In dieser Klasse starten Athletinnen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose. Die Athlet*innen nutzen Prothesen oder ähnliche unterstützende Hilfsmittel auf der Radstrecke und in der Laufdisziplin. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt (max. 909,9 Punkte).

PTS3: Erhebliche Bewegungseinschränkungen

Max Gelhaar beim laufen.

In dieser Klasse starten Athlet*innen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise  Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose. Die Athletinnen und Athleten nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und in der Laufdisziplin. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt (910-979,9 Punkte).

PTS4: Mäßige Bewegungseinschränkungen

Elke van Engelen beim laufen.

In dieser Klasse starten Athlet*innen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 980 und 1091,9 bei der Klassifizierung. Die Athlet*innen nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und beim Laufen. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt.

PTS5: leichte Bewegungseinschränkungen

Martin Schulz auf dem Fahrrad.

In dieser Klasse starten Athlet*innen mit Bewegungseinschränkungen und Behinderungen wie beispielsweise Gliedmaßenverlust(en), Hypertonie, Ataxie oder Atheose mit einer Gesamtpunktzahl zwischen 1092 und 1211,9 bei der Klassifizierung. Die Athlet*innen nutzen Prothesen oder ähnliche Hilfsmittel auf der Radstrecke und beim Laufen. Die Verwendung von Handbike/ Rennrollstuhl ist nicht erlaubt.

PTVI1: Vollständige Erblindung (IBSA/IPC B1)

Lena Dieter mit ihrer Begleitung auf dem Tandem.

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch. PTVI 1 Athlet*innen müssen während des gesamten Rennens eine verdunkelte Brille tragen.

PTVI2: Starke Sehbehinderung (IBSA/IPC B2)

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch.

PTVI3: schwache oder teilweise Sehbehinderung (IBSA/IPC B3)

Benutzung eines Tandems verpflichtend. Es ist ein Guide während des gesamten Rennens obligatorisch.

Guides und Helfer

Guides

ITU World Triathlon Grand Final Rotterdam 2017, Paratriathlon, Lena Dieter GER #608, Photo: JoKleindl/DTU

Für alle PTVI Athlet*innen ist ein*e Begleiter*in (Guide/ Pilot) desselben Geschlechts und derselben Nation verpflichtend. Dieser darf während des Wettkampfes nicht gewechselt werden. PTVI Athlet*innen werden im Rennen gemeinsam gewertet. Diejenigen in der Startklasse PTVI1 bekommen einen zeitlichen Vorsprung beim Schwimmen.

Persönliche Helfer (Paratriathlon Handlers):

Para Triathlet*innen stehen in Abhängigkeit der jeweiligen Startklasse Helfer*innen zu, die ungehinderten Zutritt zu den Wettkampfstätten haben müssen. Diese Helfer*innen unterstützen beim Wasserausstieg sowie bei den Wechseln.

PTS2, PTS3, PTS4, PTS5: je ein Helfer

PTWC: zwei Helfer

PTVI: der Begleiter (Guide) übernimmt die Funktion des Helfers; ein zusätzlicher Helfer ist nicht erlaubt.

Dokumente zur Klassifizierung

Wer national starten möchte, muss eine nationale Klassifizierung durchlaufen. Dafür müssen folgende Dokumente ausgefüllt und unterschrieben werden.

Akzeptierte Behinderungen/ Bewegungseinschränkungen

Art der Behinderung/ Bewegungseinschränkung Beispiele von gesundheitlichen Gründen, die zu solchen Behinderungen/ Bewegungseinschränkungen führen können.
Beeinträchtigung der Muskelkraft Rückenmarksverletzung, muskuläre Dystrophie, Verletzungen des Brachial-Plexus, Erbsche Lähmung, Polio, Spina bifida, Guillain-Barré-Syndrom.
Eingeschränkte passive Bewegbarkeit Ankylose (Gelenksteife), Gelenkkontrakturen; nicht jedoch Hypermobilität der Gelenke.
Gliedmaßenverlust Amputation nach Unfall oder von Geburt an sowie angeborene Fehlbildungen (Dysmelie).
Hypertonie Zerebrale Lähmungen, Verletzungen des Gehirns, Multiple Sklerose.
Ataxie Zerebralparesen, Hirnschädigungen, Multiple Sklerose, Friedreich
Ataxie, Spinozerebelläre Ataxien (SCA) und andere
neurodegenerative Erkrankungen
Athetose Zerebrale Lähmung, perinatale Hirnschädigung
Sehbehinderungen Myopia, Tunnelvision, Kalnienk-Vision, Skotom (blinder Fleck), Retinitis pigmentosa, Glaukom (Grüner Star), Maculadegeneration
(Gelber Fleck), kongenitaler Katarakt (Grauer Star, angeboren).